„Kurzschluss“ von Claudia Kemfert: Ein Buch gegen die Energie-Baustellen

„Kurzschluss“ ist Claudia Kemferts deutliches „Jetzt reicht’s!“ an die deutsche Energiepolitik. Die Energieökonomin räumt mit den größten Mythen rund um E-Autos, Wärmepumpen, Gas und Erneuerbare auf und macht klar: Wir scheitern nicht an fehlender Technik, sondern an falschen Entscheidungen.

Der Buchtitel ist Programm. Ein Kurzschluss passiert, wenn Strom den falschen Weg nimmt. Und genau das passiert laut Kemfert auch in der Energiepolitik. Statt konsequent auf Erneuerbare, Speicher und ein modernes Stromsystem zu setzen, halten Politik und Wirtschaft oft an fossilen Gewohnheiten fest. Das kostet Geld, schafft Abhängigkeiten und beschleunigt die Klimakrise.

Kemfert spannt dabei einen weiten Bogen: von der Ölkrise der 1970er über den Dieselskandal bis zu den LNG-Terminals nach 2022. Immer wieder wurden Entscheidungen getroffen, die fossile Abhängigkeiten eher verlängert als beendet haben.

Die Autorin nimmt sich in „Kurzschluss“ die Klassiker der deutschen Energiedebatte vor. Bei den E-Autos erklärt sie, warum „Technologieoffenheit“ oft nur ein schönes Wort fürs Warten war und warum Elektromobilität längst kein Zukunftstraum mehr ist. Beim Thema Heizen widerspricht sie dem „Heizungshammer“-Narrativ und zeigt auf, warum Wärmepumpen langfristig sinnvoll sein können.

Ein weiterer zentraler Punkt ist ihre These zu Gas und fossilen Abhängigkeiten: Nicht die Energiewende macht uns teuer und abhängig, sondern das Festhalten an Öl und Gas. Gleichzeitig skizziert sie, wie Wind, Sonne, Speicher und E-Autos zusammen ein flexibles Stromsystem bilden könnten. Und auch für die Industrie sieht sie Chancen: Der Gasausstieg sei keine Verzichtsgeschichte, sondern eine Möglichkeit, beim nötigen Umbau sogar Technologieführer zu werden.

Das Buch liest sich überraschend leicht. Kemfert schreibt verständlich, nutzt konkrete Beispiele und bleibt nah an der aktuellen Debatte. Eine Leseprobe ist hier zu finden. Wer gerade zwischen „Dunkelflaute“, „Heizungshammer“ und „Verbotskultur“ den Überblick verloren hat, bekommt hier einen guten roten Faden.

Kemfert erklärt nicht nur, was schiefläuft, sondern zeigt auch, wie es besser gehen könnte. Sie schaut dabei über Deutschlands Grenzen und zeigt, dass andere Länder Teile der Wende schon deutlich weiterbringen.

Klar ist: Das ist kein neutrales Sachbuch. Claudia Kemfert hat eine klare Meinung, und die teilt sie ohne viel Diplomatie. Wer eine ausgewogene Pro-und-Contra-Bilanz erwartet, wird hier nicht fündig. Das Buch liest sich als ein engagiertes Plädoyer.

Gleichzeitig ist das aber auch der Reiz: Man muss Kemferts Folgerungen nicht in jedem Punkt teilen, um von der Lektüre zu profitieren. Die Faktenbasis ist solide, die Argumentation nachvollziehbar, und der Ton macht Lust, selbst genauer hinzuschauen.

„Kurzschluss“ ist ein lohnendes, streitbares und gut lesbares Buch für alle, die die Energiedebatte endlich mal ohne Schlagzeilen-Chaos verstehen wollen.

Claudia Kemfert: Kurzschluss – Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus/2026)

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